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In diesem Schuljahr inszenierte der Literaturkurs des 12. Jahrganges das Theaterstück „Frühlings Erwachen!“ nach Nuran David Calis. Anders als in der Originalfassung von Frank Wedekind, setzte Calis die Thematik in einen zeitgenössischen Sprachkontext – rauer, scharfzüngiger als noch 1891. Aber der Inhalt des Stückes bleibt immer aktuell: Wer bin ich und wer will ich sein? Die Jugend wartet auf den Samstagabend. Den Abend „an dem niemand schläft“, an dem gefeiert wird. Das Leben als Fest. Und dann sind da all die Bücher, die Last der Erwartungen drückt die Schultern herab; Lehrer mahnen; Eltern toben und verbieten, halten ängstlich an der unschuldigen Kindheit ihrer Töchter und Söhne fest. Diese Kinder wollen leben, wollen was erleben. Und das soll laut sein und groß und weit und tief. Doch wie kann das gehen? Das Erwachsensein, das Menschsein, das menschlich und mit-menschlich sein erscheint ihnen als Hin und Her zwischen Nähe und Distanz zu ihren Freunden, ihren Eltern, und sich selbst. Mal sind alle ganz bei einander, schon reißt es sie wieder auseinander. „Ich will jemandem unter die Haut gehen. Ich will, dass mir jemand unter die Haut geht“ sagt Moritz (Patrick Latusek) und schlägt mit der Faust auf sein Spiegelbild (Jonas Seeberger).

Wir sind alle nicht nur einer, sondern viele. So auch die Charaktere des Stückes, die in ihrer Zerrissenheit zwischen Sicherheit und Gefahr, zwischen Vergangenheit und Zukunft herumtaumeln. Wendla fühlt sich „morgens beim Frühstück mit meiner Mutter“ (Clara Schultenkämper), „ganz anders als abends, mit meinen Freunden“ (Vitalia Wagner). Verloren auf der Suche nach Sinn, steht am Ende jeder alleine da, so wie Moritz am Ende des Stückes. Während die anderen im Rhythmus der (Feier-) Gesellschaft ihren eigenen Weg suchen und nicht finden, fasst er einen autonomen Entschluss und schaut übers Publikum in die Ferne. Was hat er vor? Die Proben waren bereits von einer hohen Konzentration geprägt, aber erst durch das Publikum bei der Aufführung erreichte diese ein Maß, das der Tiefe des Stückes zum Ausdruck verhalf. Ein Jahresprojekt ging mit Applaus und nachdenklicher Stille zu Ende. Was ein schönes Gefühl es ist, dabei zu sein, wenn aus gemeinsamer Inspiration, Kreativität und Durchhaltevermögen etwas entsteht, das größer ist als die Summe der Beiträge der Beteiligten. 

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